Ambassador interview: Janina Lowisz

 

Teil neun unserer Interviewreihe mit Bitnations internationalen Botschaftern, dieses Mal mit Janina Lowisz.

 

Erik: Hi Janina, erzähl uns etwas von dir, wie hast du zur Krypto- und Freiheitsbewegung gefunden?

 

Janina: Mein Name ist Janina, ich bin 25 Jahre alt und habe gerade meinen Master abgeschlossen.

Ich habe vor etwa 3 Jahren angefangen mich über Bitcoin, die Österreichische Schule der Nationalökonomie und libertäre Bewegungen zu informieren, als ich mehr über die Eurokrise herausfinden wollte und anfing regelmäßig relevante Veranstaltungen zu besuchen. Davor hatte ich bereits von Natur aus diese Ansichten und sah mich damals als klassisch Liberale, da ich dachte das Libertarismus lediglich der in Amerika gebräuchliche Begriff für die selbe Haltung wäre. Ich bin für mein letztes Bachelorjahr nach Großbrittanien gezogen und schrieb meine Arbeit über Bitcoin.

Während dieser Phase bemerkte ich, dass es Sinn machen würde weiter in diese Richtung zu gehen und fing an mehr Zeit auf Veranstaltungen bezüglich Bitcoin und der Blockchain zu verbringen, anstelle von politischen Events. Eine der Gründe für diese Entscheidung war, das ich dort mehr zu lernen schien und dass es eine wachsende Bewegung ist, und dass diese Branchen eher eine langfristige Auswirkung auf unsere Gesellschaft haben wird. Einerseits war es langfristig nützlich sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, kurzfristig lohnte es sich auch, da ich meine Masterarbeit über die Blockchain geschrieben habe.

 

Sobald ich letzes Jahr nach London zog, besuchte ich soviele Blockchainveranstaltungen und Meetups wie möglich. Schon nach der ersten – einem Coinscrum Event mit Max Keiser, Bank to the Future und Ethereum, habe ich von Bitnation erfahren und bin dem damaligen Skypechat beigetreten. Ein paar Wochen später war ich aktiv involviert bei Bitnation als mir ein Fremder eine Email schickte die mich als Verantwortliche für ihre Meetupgruppe vorsah. Ich dachte “manchmal passieren die besten Dinge im Leben per Zufall“, also erzählte ich Susanne davon, die zu der Zeit in London war. Sie war froh, dass es bereits jemanden gab der die ganze Bitnationidee verstand und als Erfüllung der libertären Idee ansah.

Zur selben Zeit arbeitete sie an dem ersten Blockchain ID – Testversuch mit Chris Ellis, und ich war glücklicherweise zur richtigen Zeit da und wurde als erste Blockchain-Bürgerin ausgewählt. Die Blockchain ID wird die Grundlage für Bitnations Reputationssystem sein, was zukünftigen Bitnationnutzern ermöglichen wird Dienstleistungen basierend auf Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit zu benutzen. Es hilft auch Staatenlosen und Flüchtlingen, somit ist es auch Teil von Bitnations Refugee Emergency Response.

 

Ich nutzte die Euphorie in den Wochen nach dem ID-Test nannte ich mich Blockchain Girl für das Social Media um mehr Leute anzusprechen, die nun anfingen sich für die Blockchain zu interessieren. Ich verwende jetzt meine Freizeit um zu Veranstaltungen und Meetups als Bitnationbotschafterin zu gehen, wo ich neue Leute auf uns aufmerksam mache und miteinander verknüpfe, um voneinander zu profitieren.

 

Erik: Was motivierte dich dazu Botschafterin zu werden und welche Ratschläge hast du für zukünftige potenzielle Botschafter?

 

Janina: Meine Hauptmotivation war die Blockchain-Community in London, ich habe dort viele Bekanntschaften gemacht und mir gefiel es, den Leuten von Bitnation zu erzählen, also wurde ich Botschafterin. Außerdem war es damals, vor einem Jahr, in der Anfangsphase und es waren noch nicht soviele Leute involviert wie heute, und ich dachte dabei zu helfen neue Leute an Bord zu bekommen wäre der Schlüssel zum Erfolg.

Es war einfach zu netzwerken und Aufmerksamkeit zu erzeugen, die Szene wächst konstant. Im Januar waren es noch 11 relevante Veranstaltungen, heute sind es bereits 20, es ist wirklich einfach hier. Man muss sich nur einmal ansehen was es schon da draußen gibt, nicht nur Bitcoin und Blockchaingruppen, sondern auch Futuristen, Libertäre und andere sozial motivierte Gruppen, oder Start-Up und allgemeine Business-Gruppen. Man muss nur herausfinden wofür sich die Person interessiert, mit der man gerade spricht, und schon kann man sie relativ einfach für einige der vielen Nutzen von Bitnation überzeugen.

 

Erik: Wie gehst du mit Leuten um, die die Idee vom freien Wettbewerb zum Staat ablehnen?

 

Janina: Wenn ich jemandem Bitnation vorstelle, sage ich nicht “wir sind libertär, anarchokapitalistisch, etc”, sondern “wir bieten Blockchainservices und konzentrieren uns auf Staatsdienstleistungen”, oder “wir bieten die Werkzeuge und Ihr baut damit auf, was immer Ihr wollt“; so ist es einfacher und lässt sich offener interpretieren, dadurch fangen sie an zuzuhören anstelle nach ein paar politisch unkorrekten Sätzen dicht zumachen.

So wie Bitcoin, wird auch Bitnation Leute von allen politischen Richtungen anziehen. Es gibt eine Seite die die demographischen Statistiken von UK-Nutzern vieler Produkte anzeigt; wenn man nach Bitcoin sucht, sieht man, dass sich der Durchschnitt der Nutzer selbst als leicht links tendierend betrachtet. Ich denke es wird genauso auch bei Bitnation sein, die Leute benutzen die Dienstleistungen ohne sie mit einer bestimmten politischen Richtung zu assoziieren. Vielleicht wird es eher als Bewegung fernab von Politik betrachtet, etwa eine humanitäre Organisation.

 

Wenn man nicht den Hintergrund von jemandem kennt bzw. wenn er links ist, gibt es immer noch genug Bitnationnutzen auf die man sich mit allen einigen kann; also redet man von den Vorteilen, die die Person hören möchte. Niemand hätte etwas gegen einen Service, der Infrastruktur aufbaut und Entwicklungsländern hilft, oder überall für weniger Bürokratie sorgt.

Wir würden gerne unsere freiwilligen Wohlfahrtsleistungen, die von jedem genutzt werden können um eigene Resilience-Netzwerke aufzubauen, sich langsam zum Ersatz zur staatlichen Wohlfahrt entwickeln sehen, aber man kann es auch als zusätzlichen Service interpretieren, oder als etwas für Entwicklungsländer spezifisches. So, wie die Blockchain ID als Reputationssystem wie eBay oder auch als Flüchtlingshilfe genutzt werden kann. Fast jeder würde Blockchain-Ehen unterstützen, da es die Scheidung einfach und günstig macht, manche würden es wegen der Möglichkeit für Schwulenehen mögen, andere würden es als Ergänzung zur traditionellen Ehe sehen, etwa die, die ihr Eheversprechen erneuern wollen.

 

Jedenfalls variieren die Leute nur bezüglich der Länder in denen sie unsere Blockchain Services sehen wollen würden und die Art der Staatsdienstleistungen. Ich erinnere mich an niemanden der die Idee des freien Wettbewerbs zum Staat komplett abgelehnt hat.

 

Erik: Wie könnte man die Kryptowelt attraktiver für Frauen gestalten?

 

Janina: Ich weiß nicht, ich denke nicht, dass es ein Problem ist. Wir brauchen nichts zu machen, weil jeder seine natürlichen Interessen verfolgen sollte – wenn jemand von Natur aus nicht interessiert ist sollte man ihnen nicht hinterher rennen. Diejenigen die interessiert sind nehmen ohnehin von alleine Teil, inklusive den Frauen.

Wenn etwas für alle im Internet frei verfügbar ist, besonders wenn es schon so lange existiert wie Bitcoin und die Blockchain, und bereits von den Massenmedien erwähnt wurde, ist es ihre eigene “Schuld”, wenn sie es nicht als wichtig erachten.

Es sollte nicht als negativ wahrgenommen werden, dass verschiedene Branchen unterschiedliche Geschlechtsanteile haben, ich sehe es als etwas Natürliches, das sich von alleine entwickelt. Vielleicht gibt zukünftig mehr Jobs in der Blockchainindustrie und es wird attraktiver für die Allgemeinheit, also werden auch mehr Frauen beteiligt sein.

 

Erik: Was hälst du davon Bitnations Botschafternetzwerk um die diplomatische Ebene zu erweitern? Bist du schon einmal in Kontakt mit staatlichen Beauftragten gekommen? Wie gehst du dieses Thema an?

 

Janina: Ich denke die Botschafter werden dies so oder so tun, wenn sie die Gelegenheit haben, meine Interpretation eines Bitnationbotschafters ist es, alle Richtungen auszuprobieren. In der Vergangenheit hätte ich gesagt, es könnte mehr Sinn machen, das Netzeerken auf Geschäftsleute zu konzentrieren, weil dort die meiste Innovation vorangebracht wird, während die Politik nur hinterherzieht. Auf der anderen Seite sind die Business-Leute nicht viel besser als die Leute in der Politik.

 

Für Bitnation könnte es sogar andersherum besser sein, es wäre einfacher Zugang zu internationalen Organisationen aufgrund seiner sozialen Komponente zu bekommen, es würde eher willkommen geheißen und als nützliche Ergänzung zu nahezu allem gesehen, oder kann eine Beraterrolle einnehmen. Wenn diese Organisationen ignoriert werden würden, würden sie sowieso ihre eigenen Lösungen hervorbringen, daher sollte Bitnation versuchen mit jedem Verbindungen aufzubauen, der uns wahrgenommen hat.

 

Erik: Was können wir von dir in der Zukunft erwarten?

 

Janina: Ich habe gerade ein Jobangebot als Recruitment Consultant angenommen, also wird Blockchain nur ein Hobby sein. Blockchainjobs waren bis jetzt nur Teilzeitbasis, oder werden eher in der Zukunft verfügbar sein, oder benötigen technische Fähigkeiten über die ich nicht verfüge. Da ich erst nächsten Monat anfange kann ich noch nicht sagen, wie viel Freizeit ich der Blockchainsphäre widmen kann, aber wie immer kann man auf meiner Blockchain Girl Seite nachlesen, was ich diesbezüglich zur Zeit mache.

 

Erik: Danke Janina für deine Zeit und Bemühungen. Viel Glück für deine neuen Aufgaben und wir hoffen bald mehr von dir zu hören!

 

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Erik Vollstädt

Bitnation Lead Ambassador and Community Director. Born 1993, aspiring entrepreneur and champion of voluntary societies & private property ethics. Proponent of counter-economics and competing market currencies, such as cryptocurrencies. Represented Bitnation as Lead Ambassador since 2015 at the Riga Bitcoin and Cryptocurrencies Meetup, the iBGEk basic income stage discussion in Klagenfurt (Austria), the Cointelegraph Blockchain Conference in Helsinki, the Zündfunk Netzkongress in Munich, at itnig for the Barcelona Bitcoin Community during the Mobile World Congress 2017 and at the Bitnation DevCon 2017 in Amsterdam. Author of the Bitnation blog. Media appearances include Shift (Deutsche Welle), Der Fehlende Part (RT Germany) and Zündfunk (BR2). Coordinates Bitnation's ambassador network globally and organizes meetups all over Europe. Graduated in Business Innovation & Technology Management (M.Sc.) in Girona (Catalunya, Spain). Wants to live an international lifestyle.

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